Anreise nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Strecke

Bern/Genf/Biarritz - Bassussary - Ustaritz - Saint-Martin-d'Arrossa - Leizpartze - Saint-Jean-Pied-de-Port

Karte

59 km, 03:44:44

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Die Anreise

Schon um zehn nach drei lag ich wach im Bett. Jetzt noch einmal drehen? Nein. Auf, Kaffee, Packen, Duschen!

Flug nach Biarritz

Pünktlich um halb fünf verliess ich nach einer letzten innigen Umarmung das Haus. Das Taxi fand ich kurz darauf. Es war da, und ich kam pünktlich am Bahnhof an, kein Gezanke im Zug wegen meines Gepäcks, keine Probleme beim Check-In am Flughafen Genf, der Transport hinterliess nicht einmal Spuren am Koffer. Alles lief rund.

So nahm ich denn ein Taxi in Biarritz bis zur Jugendherberge. Beim Auspacken des Bikes wurde, was bisher bloss ein Abenteuer Kopf war, plötzlich Realität. Ich fragte mich, ob ich denn nicht besser zuhause alles Unerledigte erledigt hätte, anstatt mich Hals über Kopf in diese Ungewissheit zu stürzen. Ich stürzte weiter. Über den Hafen folgte ich der Route, die mir der 15€-Taxi-Chauffeur vorher angeraten hatte. War die schwüle Hitze beim Auspacken des Bikes noch einfach lästig, so wurde sie beim Abfahren richtig erdrückend. Froh um jeden Hauch Gegenwind fuhr ich in Richtung Ustaritz.

Weil ich Depp vor lauter Jeh vergessen hatte, mein Wasserreservoir aufzufüllen, machte mir jeder vergossene Schweisstropfen mehr und mehr Sorgen. In Ustaritzendlich fand ich einen Super-U,in dem ich drei Liter Wasser kaufte, meine Flasche füllte und den Rest - bis auf ein paar Tropfen, mit denen ich mich etwas abkühlte, in mich hineinschüttete. Frisch getränkt ging's dann wieder flotter weiter. Bei km 35 fand ich dann aber eine nette Bar, in deren Garten ich mich erneut an Tranksame labte und den Schatten genoss. Etwas nach km 40 verliess ich die Hauptstrasse, der ich bisher gefolgt war, obwohl ich so zweispurige Pfade mit dem Mountainbike sonst nicht so einladend finde.

Ich folgte einer Route, die ich auf der Velokarte, die ich am Flughafen Biarritz beim Warten auf mein Köfferchen behändigte, angezeichnet fand, und genoss die schöne Landschaft und die Nähe der Pyrenäen auf den letzten Kilometern nach Saint-Jean-Pied-de-Port.

mittelalterlche Brücke in Saint-Jean-Pied-de-Port

Und dann kam ich an. Keine Ahnung, was mich in das Altstädtchen und dort schnurstracks auf der Rue de la Citadelle den Berg hoch trieb. Keine drei Minuten nach meiner Ankunft in diesem pittoresken Städtchen stand ich vor dem Pilgerbüro und wurde von Alain und Jacques reingerufen. Glücklich darüber, wieder einmal einen Pilger an der Réception zu haben, der der Landessprache einigermassen mächtig ist, scherzten die zwei mit mir um die Wette. Ich sass triefnass in ihrem Büro und triefte locker weiter vor mich hin, während Alain sich rührend um mich kümmerte, mir Wasser einschenkte, mir eine aktuellen Liste der Herbergen und einen Etappenplan übergab und mir schliesslich meinen Pilgerpass ausfüllte und abstempelte.

meine erste Pilger-Herberge

Ab diesem Moment war ich nun offiziell Pilger. Alain begleitete mich in die Auberge municipal, wo ich das Bett #306 bezog. Nein, es war kein riesiger Schlafsaal, er war sogar überraschend klein: drei Kajütenbetten im 3. Untergeschoss. Das Gebäude liegt am Hang, weshalb auch das 3. Untergeschoss noch einen direkten Ausgang in den Garten hat.

Ich lernte meine Zimmergenossen kennen: einen Briten, einen Brasilianer, einen Italiener und zwei Belgier. Nach einer kurzen Dusche und dem Waschen der Wäsche wollte ich mich etwas ausruhen. Prasselnder Gewitterregen, der sich sich über der Stadt entlud und die Schwüle vertrieb, machte mir einen Strich durch die Rechnung. Schnell rettete ich meine wieder triefnassen Kleider ans Trockene.

Nach dem Gewitter meldete sich der Hunger. Schliesslich hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen. Ein Sandwich zum Aufwärmen und ein Bier stillten meinen Hunger und meinen Durst während des Tagebuchschreibens. Weil der Regen zurückkam, flüchtete ich mich in die Auberge, wo ich nach wenigen Worten einnickte ...